Von Überschwemmungen geplagt: Was Pr. Oldendorf für den Hochwasserschutz tut

tarke Regenfälle setzten unter anderem im Sommer 2014 Häuser und Straßen in der Oldendorfer Schweiz unter Wasser. | © Hans-Günther Meyer
tarke Regenfälle setzten unter anderem im Sommer 2014 Häuser und Straßen in der Oldendorfer Schweiz unter Wasser. | © Hans-Günther Meyer
Bei Starkregen schrillen bei vielen Pr. Oldendorfern die Alarmglocken. Wieder einmal Wasser im Keller? Einige Maßnahmen zum Hochwasserschutz sind schon umgesetzt worden, bei manchen stößt man an Grenzen.


Pr. Oldendorf. Das verheerende Hochwasser in Teilen von NRW und Rheinland-Pfalz beschäftigt noch immer die Menschen landauf, landab. Auch in Pr. Oldendorf wird bei so manchem Bürger angesichts der Bilder die Erinnerung an den Sommer 2014 wieder hochgekommen sein, als heftige Gewitter über die Stadt hinweg zogen und teils schwere Schäden anrichteten. Keller liefen voll, Bäume stürzten auf die Straße, Straßen wurden überflutet. Teils einen halben Meter hoch stand das Wasser in manchem Keller.



Ein Beispiel: Diese Risikokarte zeigt, wie viele Einwohner bei einem häufigen Hochwasserereignis, wie es rein statistisch einmal in fünf bis 20 Jahren vorkommt, im Bereich Bad Holzhausen betroffen sein könnten. Die Karte für extreme Hochwasserszenarien weist 1.620 eventuell betroffene Einwohner im überschwemmten Bereich ohne Hochwasserschutz aus. | © Grafik: Jürgen Schultheiß/Quelle: Bezirksregierung Detmold

Auch überflutete Straßen hielten die Kameraden auf Trab, so im Stadtzentrum auf der B 65 und in Börninghausen. In Bad Holzhausen trat die Große Aue über die Ufer. Da wurden auch Erinnerungen an das Unwetter 2011 wach, als ein nur 15-minütiges Gewitter in Börninghausen eine Schlammlawine auslöste, die den Ortskern erfasste. Die Menschen standen knöcheltief im Schlamm, den das Wasser von einem nahe gelegenen Acker hinab spülte.

Erinnerungen an Starkregenereignisse 2014 und 2011

Der Hochwasserschutz ist schon seit Jahrzehnten Thema in Pr. Oldendorf. Vieles wurde in den vergangenen Jahren schon unternommen, einiges ist noch geplant. Hier ein Überblick:

Oldendorfer Schweiz: Das Einzugsgebiet Großer Dieckfluss/Mühlenbach wird erheblich vom Wiehengebirge beeinflusst. Aufgrund der Größe des Einzugsgebietes ist es in der Vergangenheit bei Starkregenereignissen im Bereich Linkenstraße/Eininghauser Weg zu Überflutungen von Grundstücken und des Freibades gekommen. Zur Verbesserung des Oberflächenabflusses wird derzeit die Gewässerverrohrung im Bereich Linkenstraße bis zur Minigolfanlage am Eininghauser Weg erneuert. So sei der Querschnitt der dortigen Verrohrung zu schmal geworden, die neue Verrohrung, die innerhalb einer neuen Trasse verlegt wird, habe einen größeren Querschnitt. Man hoffe, dass die Bauarbeiten dort bis Ende des Jahres abgeschlossen werden könnten, sagte Maren Heidenreich, Fachbereichsleiterin Bauen bei der Stadtverwaltung.

Fördermittel, um die sich die Stadt bemüht hatte, gibt es für diese Maßnahme nicht. Hauptsächlich war dies darauf zurückzuführen, dass sich im kritischen Bereich keine sensiblen Infrastruktur- oder Versorgungsobjekte befinden, die besonders vor Überflutungen geschützt werden müssen, da sie (lebens)notwendig sind wie Kindergarten, Krankenhaus, Feuerwehr oder Polizei. Die Kosten wurden zuletzt mit 800.000 Euro angegeben.

Regenrückhaltebecken: Geplant ist, die Wassermassen schon im Wald zurückzuhalten, so dass sie die Oldendorfer Schweiz nicht mit voller Wucht treffen. Das Becken ist derzeit in Planung, ein Grundstück wurde dafür bereits von der Stadt erworben. Nun müsse man schauen, was vom Volumen her an dieser Stelle möglich ist, sagt Maren Heidenreich. Hierzu liefen umfangreiche Abstimmungen mit der Bezirksregierung Detmold. Dies sei kniffelig und langwierig, weil es sich hier um ein Landschaftsschutzgebiet handele. „Wir sind auf Kompromisssuche", so Heidenreich. Sie vermute nicht, dass sich baulich im kommenden Jahr an dieser Stelle schon etwas tut.

Hochwasserschutzkonzept: Ein externes Büro entwickelt derzeit ein Hochwasserschutzkonzept für den Ortsteil Bad Holzhausen. Dafür hatte die Politik im vergangenen Jahr gestimmt. Das Konzept soll weitere mögliche bauliche Maßnahmen zur Verbesserung des Hochwasserschutzes im Heilbad liefern. Die Vermessungsarbeiten dafür sind bereits abgeschlossen. Mit einem ersten Entwurf rechnet Heidenreich Anfang 2022.

Nicht immer sind Grundstücke für Maßnahmen verfügbar



Die Bruchriede in Bad Holzhausen: Sie bekam 2019/2020 im Rahmen des Hochwasserschutzes ein neues Bett (Archivfoto). | © Cornelia Müller

Umlegung der Bruchriede: Ein größere Maßnahme ist in Bad Holzhausen gerade erst umgesetzt worden: die Umlegung der Bruchriede. Sie war teilweise verrohrt und musste auch noch das Wasser der Hasumke aufnehmen – und sorgte bei Starkregen immer wieder dafür, dass Keller volliefen. Die Bruchriede bekam 2019/2020 ein neues Bett – durchschnittlich etwa 20 Meter breit, insgesamt 1.200 Meter lang, davon rund 900 Meter durch Freiland führend, der Rest durch Siedlungsgebiet. Baukosten: gut eine Million Euro.

Kleinere Maßnahmen: Innerhalb des Gewässerentwicklungsprojektes Weser-Werre-Else wurden unter anderem in Börninghausen im Bereich des Sportplatzes und der Eggetaler Straße mit Fördermitteln Gewässer renaturiert, erklärt Heidenreich. Generell sei zu bemerken, dass bauliche Maßnahmen zum Hochwasserschutz leider oft an der fehlenden Grundstücksverfügbarkeit scheitern würden. Dies sei besonders bei nicht direkt betroffenen Eigentümern der Fall.

 

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